Dicionum meets #bandstorys

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Meine Autorenkollegin (oder eher Autorenfreundin) Vivien Summer und ich haben uns überlegt, was passieren würde, wenn unsere Protagonisten aufeinander treffen.

Aus diesem Grund haben wir einen alternativen Anfang zu „Dicionum 1: Du darfst dich nicht verlieben“ geschrieben, der vor dem dritten Band von „#bandstorys: Lonely Lyrics“ spielt.

Viel Spaß mit „Dicionum meets #bandstorys“

Luke

Unsanft knalle ich gegen die Bar und muss mich mit meinen Händen daran festhalten, um nicht vorndrüber … nein … vornüber zu fallen. Ein dämliches Grinsen stiehlt sich auf mein Gesicht. War wohl ein Tequila zu viel heute. Meine Sicht verschwimmt, während ich den Barhocker fixliere. Äh. Fixiere. Nope. Darauf kann ich mich heute nicht mehr setzen. Neben mir steht ein Mann in Anzug und meine Augenbrauen heben sich. Ein Bodyguard? Ich sehe mich um und entdecke immer mehr Typen in Anzügen. Also wohl eher Geschäftsmänner. Oder die Men in Black.
Ich sehe an mir herunter. Enge schwarze Jeans, an den Knien aufgerissen. Mein weißes T-Shirt strahlt in der schummrigen Dunkelheit des Clubs als würde es schreien: „Hier bin ich! Seht mich an! Ich passe hier ganz und gar nicht rein!“
Weiterhin an der Bar zu stehen, kommt mir nun … wo war ich? Ach ja. Ich wollte mich irgendwo hinsetzen, um durch mein Schwanken nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Aber wem mache ich hier was vor … jeder starrt mich an und dabei habe ich mich noch nicht mal ausgezogen. Vielleicht sollte ich auch mal auf die Bühne?
Besser nicht. War ich heute schon. Brauche ich nicht noch einmal.
Ich sehe mich um und entdecke einige Meter von mir entfernt einen ziemlich bequem aussehenden Stuhl … Bank-Lehnsessel-Dings. Leider muss ich jetzt auch die Bar wieder loslassen. Luke, du schaffst das, rede ich mir gut zu. Sind nur ein paar Meter.
Ein paar Sekunden später setze ich mich. Ich lege meinen Arm über die Augen und versuche mich zu erinnern, wie ich hier her gekommen bin. Auftritt. Party mit Jake und Tom. Mein Kopf ruckt hoch und ich muss mich festhalten. Scheiße. Wirklich ein extremer Wellengang hier. Bin ich auf einem Schiff gelandet?
Seufzend nehme ich die Hand von den Augen. Nope. Kein Schiff. Immer noch der Club, der mich mit seinen bunt leuchtenden Buchstaben magisch angezogen hat, als ich durch die Queen Victoria Street gelaufen bin. Zuerst weiß. Dann pink, lilablau und zuletzt neongrün. Und dann noch der Name. Black Rock’s. Ansprechend. Definitiv.
Eigentlich dachte ich, ich komme in eine ziemlich abgefahrene Bar mit guter Livemusik. Die Anzugträger, die den Mädchen auf der Bühne Scheine in den Slip stecken, sprechen eine andere Sprache. Wenn es riecht wie ein Stripclub, aussieht wie ein Stripclub … dann ist es womöglich auch einer.
Wie magisch wird mein Blick von einem Mädchen angezogen, das ebenfalls weiß trägt. Um genau zu sein ein sehr enges und sehr kurzes weißes Kleid. Partnerlook. Mehr brauche ich nicht. Bestimmt ist sie die Frau, nach der ich mich sehne. Irgendwo muss es doch jemanden für mich geben. Ich will nicht für immer alleine bleiben.
Die Haare meiner zukünftigen Frau sind dunkelrot. Also ganz anders die meiner besten Freundin Anna. Sehr gut. Dann kann ich sie nicht verwechseln. Und ihre Bewegungen sind seltsam hymotmisierend … nein. Das heißt anders. Hypnotisierend. Ha! Genau. Sie bewegt sich echt gut – viel zu gut für eine Stripperin. Eher als wäre sie eine Tänzerin.
Sie sieht auch nicht unbedingt glücklich aus. Einsam und als würde sie nicht wirklich hierhergehören. Vielleicht geht es ihr so wie mir?
Ob meine Band einverstanden wäre, wenn wir sie als Backroundtänzerin einstellen? Da fällt mir ein … Wo ist Tom? Er ist doch immer derjenige, der während der Tour aufpasst, dass ich nicht verloren gehe. Und dann lässt er mich einfach ganz alleine durch London laufen.
Als die hübsche Stripperin auf die Bar zugeht, springe ich auf und laufe ihr hinterher. Dass ich dabei zweimal über meine eigenen Füße stolpere ist nicht verwunderlich, denn ich bin in Eile. Und betrunken. Aber vielleicht ist sie diejenige, bei der mein Herz schneller schlägt. Ich greife nach ihrer Hand und sie dreht sich wütend zu mir. Jaja! Don’t touch this. Da da da da, da da, da da.
»Ich habe ein Jobangebot für dich«, lalle ich. »Als Backroundtänzerin.« Und Geliebte. Ich muss kichern.
Ihre Augenbrauen wandern weit nach oben. »Und du bist …?«
»Luke von Must Be Crazy.« Scheiße, stimmt nicht. »Anna falls«, korrigiere ich mich.
»Also, pass mal auf Luke-Must-Be-Crazy-Anna-falls.« Cooler Bandname. Sollte ich echt mal den anderen vorschlagen. »Ich habe keine Lust in deiner Studentenband zu tanzen.«
»Pff. Studentenband«, murmele ich. Wir sind jetzt nicht gerade One Direction, aber auch nicht unbekannt. Ob Harry Styles auch gerade in London ist? Ich könnte jetzt mal Twitter checken. Luke Styles. Klingt auch nicht so schlecht. Upps. Abgeschweift.
»Ich kann dir ein ziemlich tolles Leben bieten, wenn du mit mir mitkommst. Du bist nett. Ich bin nett.« Meistens. »Das wäre doch was.« Und ich nicht mehr so allein. Die ganzen Pärchen um mich herum, bringen mich noch um. Langsam. Qualvoll.
Ich lege meine Hand auf ihre Wange. Nope. Kein Stromstoß. Kein Kribbeln. Wieder nichts. Na gut. Vielleicht sollte ich mich einfach mal mit einer Frau unterhalten. Versuche ich dann beim nächsten Mal. Oder ich konzentriere mich mehr auf Männer. Was mich wieder zu der Harry-Styles-Twitter-Sache zurückbringt.
Das Mädchen starrt mich immer noch mit fassungslosem Gesichtsausdruck an, doch dann ändert sich etwas in ihren Augen. Trotzdem bin ich überrascht, als mich plötzlich jemand an der Schulter packt und von ihr wegdrückt. Toll. Mal wieder Ärger mit dem Türsteher. Ich hätte es echt wissen müssen.

Katie

Das darf doch wohl nicht wahr sein!
»Was willst du denn schon wieder hier?«, zische ich dem Kerl zu, der hinter diesem Luke aufgetaucht war, und uns beide wütend anfunkelt, als hätte er uns bei irgendetwas erwischt und hätte etwas dagegen. Ach, ich vergaß. Er hatte ja etwas dagegen.
Der Kerl mit den eisblauen Augen starrt erst Luke und anschließend mich ganz lange an, was ein merkwürdiges Chaos in mir auslöst. Ich bin wütend. So richtig wütend. Nur seinetwegen hatte ich Ärger mit meinem Boss, weil ich mich geweigert hatte mit diesem Kerl unter vier Augen zu sprechen. Ist klar. Der glaubt doch wohl nicht wirklich, dass ich mit ihm auf ein Zimmer gehen würde?
»Verzieh dich«, knurrt er Luke an, woraufhin dieser anfängt zu lachen. Er lacht einfach, wirkt dabei aber alles andere als Herr seiner Sinne. Eben noch hatte ich gedacht, einen tiefen Schmerz in seinen Augen zu sehen, aber der ist jetzt wie weggeblasen. »Was ist so witzig?«
»Hallo? Ich habe dich was gefragt?«, erinnere ich den Typen unbarmherzig und verziehe so grimmig ich kann das Gesicht. »Und wieso hat dich noch keiner hier rausbefördert?«
»Weil ich ein zahlender Gast bin«, spottet er und zieht Luke erneut an der Schulter zurück. Weg von mir.
Auch wenn er mir nicht gerade auf Anhieb sympathisch gewesen war – immerhin hatte er mich offensichtlich angebaggert, was mir hier aber auch ständig passiert – finde ich es unter aller Sau, dass sich der Typ mit den Eisaugen hier einmischt.
»Hey, Kumpel, ich war zuerst hier.« Kurz hält Luke inne. »Scheiße! Du hast echt krasse Augen«, staunt er lachend und macht wohl den Fehler, dem Typen freundschaftlich auf die Schulter zu klopfen. Der Blick, den er Luke zuwirft, spricht Bände. Und natürlich muss Luke noch einen draufsetzen: »Die Farbe passt echt super zu meiner Bettwäsche.«
Mir klappt der Mund auf. Auch der Typ scheint im ersten Moment nicht zu begreifen, was Luke gerade zu ihm gesagt hatte.
»Du solltest besser verschwinden«, warnt er Luke noch einmal. »Ich habe hier etwas zu klären.«
»Das glaube ich nicht«, fahre ich ihn sofort an, als sein Blick auf mir landet.
Luke lacht schon wieder. »Oh, sorry, ich wollt mich nicht an deine Süße ranmachen. Es sei denn, du willst das. Euch zwei Hübschen würde ich heute Nacht überallhin folgen.«
»Was stimmt nicht mit dir?«, knurrt der Fremde schon wieder.
»Dasselbe könnte ich dich fragen«, mische ich mich jetzt wieder ein, um die Aufmerksamkeit des Fremden auf mich zu ziehen. »Wenn du nicht sofort von hier verschwindest, ruf ich den Türsteher.«
Für einen Moment liegt seine ganze Aufmerksamkeit auf mir. Etwas blitzt in seinen eisblauen Augen auf und ich bilde mir schon ein seinen Mundwinkel verräterisch und spottend zucken zu sehen, als Luke sich schon wieder einmischt.
Er kann sich kaum auf einen von uns konzentrieren, geschweige denn gerade stehen, ohne sich an uns abzustützen. Als Luke seine Hand auf meine Schulter legt, starrt der Fremde darauf und obwohl er nicht eine Miene verzieht ist ihm anzusehen, dass er kurz davor ist zu explodieren. Was hat er für ein gottverdammtes Problem?
»Wirklich, ohne Scheiß, aber ihr zwei seid ein hübsches Pärchen«, lallt er und kichert. »Genauso wie meine Freunde. Max und Anna. Alex und Autumn. Wirklich, echt süß. Aber denen würde ich das Angebot nicht machen. Nicht mehr.«
Keine Ahnung wieso, aber ich sehe es schon in Zeitlupe vor mir, wie der Fremde Luke eine runterhaut – doch das tut er nicht. Stattdessen zieht er seinen offenen Blazer soweit zur Seite, dass man den Griff einer … verfluchte Scheiße!
»Und uns auch nicht mehr«, erwidert er fast schon zu ruhig und sieht Luke eindringlich an. Dieser braucht einen Moment, um die Pistole zu erkennen, die der Fremde im Bund seiner Jeans stecken hat. Ach du heilige Scheiße.
Hastig sehe ich mich im Club um. Die Musik ist laut, aber nicht so laut, dass mich niemand hören würde, wenn ich jetzt um Hilfe schreie. Ich drehe mich um, um zu prüfen, ob irgendjemand hinter mir ist, ob irgendjemand sieht, was hier geschah, denn selbst als ich meinen Mund öffne, will kein Laut herauskommen.
Anders als bei Luke. »Boah. Krass! Ist die echt?«
Der Fremde funkelt ihn mit einer Mischung aus Unglauben und Zorn an. Ehe er ihm aber ein zweites Mal drohen kann, stolpere ich einige Schritte zurück. Zuerst unbemerkt, doch plötzlich pralle ich mit dem Rücken gegen etwas. Gegen jemanden.
Dankbar drehe ich mich wieder um. Eben ist dort noch niemand gewesen, aber jetzt steht direkt vor mir ein blonder, großer Kerl, der genauso überrascht wirkt wie ich. Ein Lächeln blitzte in seinen Augen auf, aber seine Lippen bleiben ruhig.
»Was dauert denn so lange?«, beschwert sich der Blonde bei dem Fremden, woraufhin ich die Welt nicht mehr verstehe.
Luke lacht wieder. »Noch so eine verdammte Augenweide«, stößt er mit den flirtenden Augen auf den Blonden gerichtet hervor. »Aber – hey! Ihr seid auch ein hübsches Paar. Genau wie ihr zwei. Wie wäre es mit uns vieren?«
Bevor der Blonde etwas sagen kann, kralle ich meine Hände in sein T-Shirt und sehe ihn panisch an. »Der hat eine Waffe!«, flüstere ich so leise wie möglich, auch wenn ich die bohrenden Blicke des Fremden mit den eisblauen Augen und schwarzen Haaren spüre.
»Wer? Der Typ mit dem Bandana da?«
»Nein, der andere«, hauche ich panisch und traue mich nicht mal, mich umzudrehen, aus Angst, er hätte meinen kläglichen Versuch, irgendjemanden darauf Aufmerksam zu machen, mitbekommen.
Leider nimmt mich der Blonde nicht ernst. Er lacht und schüttelt dabei leicht seinen Kopf. »Das war so klar, dass du die Nummer schiebst, Will.«
»Niemand hat dich nach deiner Meinung gefragt.«
»Darf ich die mal anfassen?«, fragt Luke doch tatsächlich und sieht diesen Will mit großen Augen an.
Dieser setzt schon zu einer Antwort an, als der Blonde ihm zuvorkommt. »Will, wir müssen jetzt los. Alistair wartet schon.« Mein Herz wird leichter. Sie werden gehen! Der Blonde wird diesen durchgeknallten Kerl mitnehmen!
»Wo geht ihr hin?«, erkundigt Luke sich interessiert, allerdings beachtet ihn dieses Mal niemand. Stattdessen nähert Will sich mir und dem Blonden. Mir wird schlecht vor Angst. Oder Aufregung. Ich weiß es nicht genau, denn wenn ich wirklich Angst hätte, hätte ich schon geschrien. Habe ich aber nicht. Kaum ist Will bei mir angekommen, drücke ich mich automatisch gegen den Blonden und bekomme noch im Augenwinkel mit, wie er das mit eingefrorener Mimik quittiert. Dann sieht er sich kurz im Club um.»Lass uns von hier verschwinden«, gibt er kühl von sich und tritt jetzt so dicht an mich heran, dass ich – erstarrt wie ich bin – von beiden Jungs eingekesselt werde. Und plötzlich ist alles weiß.

 

Luke

Benommen stolpere ich ein paar Schritte zurück. Heilige … schlagartig bin ich wieder nüchtern. Die zwei Fremden und die Rothaarige haben sich gerade vor meinen Augen einfach in Luft aufgelöst. Ich sehe mich um, ob irgendjemand außer mir die Szene beobachtet hat, aber alles geht seinen gewohnten Lauf. Hüften kreisen, Scheine in den Slip. Alles beim Alten.
Ich meine … das ist doch gerade wirklich passiert, oder etwa nicht? Tequila ist doch nicht für seine halluzinogene Wirkung bekannt. Oder? Vielleicht war es das undefinierbare, grüne Zeug, das ich heute getrunken habe? Eigentlich hat es nach Pfefferminze geschmeckt, aber vielleicht war es doch Absinth?
Ich drehe auf dem Absatz um und stolpere aus dem Club. Ich werde nie jemanden erzählen, was in dieser Nacht passiert ist. Würde ich es tun, wäre ich schneller auf dem Weg in eine Entzugsklinik unterwegs, als ich den Satz »Es ist anders als du denkst« sagen kann.

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